Wertstromanalyse Schritt für Schritt erklärt: Von Ist- zu Soll-Prozessen

9 Oktober 2025

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Wertstromanalyse Prozesse sichtbar macht und verbessert

In vielen Unternehmen laufen Abläufe nicht immer so reibungslos, wie sie sollten. Materialien liegen ungenutzt herum, Informationen kommen zu spät oder gehen verloren – und die Produktionszeiten verlängern sich unnötig. Mit der Wertstromanalyse lässt sich genau erkennen, wo solche Probleme entstehen und macht Verschwendung sichtbar. Kurz gesagt, die Wertstromanalyse ist ein Schlüsselwerkzeug des Lean Managements, um Abläufe in Produktion, Logistik oder bei Dienstleistungen zu verbessern.

Erfahren Sie in diesem Artikel, wie eine Wertstromanalyse dabei hilft Abläufe schlanker und schneller zu gestalten und wie Sie die Methode in Ihrem Unternehmen umsetzen können.

Definition: Was ist eine Wertstromanalyse?

Stellen Sie sich vor, Sie wollen wissen, warum in Ihrer Produktion oder Ihrem Unternehmen manchmal Dinge länger dauern, als sie sollten. Materialien liegen herum, Maschinen warten auf Aufträge oder Informationen gehen verloren. Genau hier setzt die Wertstromanalyse an.

Die Wertstromanalyse (englisch: Value Stream Mapping) ist eine Methode, um Prozesse sichtbar zu machen – und zwar vom ersten bis zum letzten Schritt. Dabei geht es nicht nur um den Materialfluss, also wie Rohstoffe und Teile, die durch die Produktion laufen, sondern auch um den Informationsfluss: Wer gibt welche Daten oder Aufträge weiter, und wann?

Das Ziel der Wertstromanalyse ist es, Verschwendung und Ineffizienz zu erkennen. In der Sprache des Lean Managements bedeutet das: Alles, was Zeit, Kosten oder Energie verbraucht, ohne echten Wert zu schaffen, soll identifiziert und ausgebessert werden. Typische Beispiele sind Wartezeiten, unnötige Transporte oder übervolle Lager.

Mit Hilfe einer Wertstromanalyse können Sie: 

  1. den aktuellen Zustand der Abläufe verstehen (Ist-Zustand),
  2. Probleme und Engpässe erkennen,
  3. anschließend einen Soll-Zustand entwickeln, also eine bessere Version des Prozesses, in der Abläufe reibungsloser und effizienter sind.

Kurz gesagt: Die Wertstromanalyse ist wie eine Landkarte für Ihre Prozesse. Sie zeigt Ihnen, wo Sie sich gerade befinden, wo Hindernisse liegen, und wie Sie schneller ans Ziel kommen.

Ursprung und Idee hinter der Wertstromanalyse

Die Wertstromanalyse hat ihren Ursprung in der Automobilbranche Japans, genauer gesagt im Toyota Production System. Dort suchte man nach Möglichkeiten, die Produktion effizienter zu gestalten und Verschwendung zu reduzieren. Die Grundidee war einfach: Nur die Schritte zählen, die wirklich Mehrwert schaffen. Alles andere wird als Verschwendung betrachtet – sei es überflüssiger Transport, Wartezeiten oder unnötige Bestände. In Verbindung mit Lean Management ist die Wertstromanalyse ein zentrales Werkzeug in der kontinuierlichen Verbesserung von Betriebsabläufen. 

Wie funktioniert die Wertstromanalyse? – Schritt für Schritt

Die Wertstromanalyse klingt kompliziert, ist aber eigentlich sehr logisch. Sie hilft, den Ablauf eines Prozesses von Anfang bis Ende sichtbar zu machen – samt Material- und Informationsfluss. 

Vorbereitung: 

  • Beteiligen Sie alle Betroffenen an der Analyse
  • Nutzen Sie Gemba Walks, um die Situation vor Ort zu bewerten
  • Prüfen Sie die Datenbasis und im Zweifelsfall werden sie neu erhoben

Hier ist ein einfacher Ablauf, wie eine Wertstromanalyse durchgeführt wird:

1. Bereich oder Prozess auswählen

Zuerst wählt man den Prozess aus, der analysiert werden soll. Das kann eine einzelne Produktionslinie sein, ein Serviceablauf oder auch die gesamte Wertschöpfungskette eines Produkts. Am sinnvollsten ist es, eine Produktfamilie zu nehmen, bei der es besonders häufig Probleme gibt oder bei der die zu erwartenden Verbesserungen und Einsparungen besonders hoch eingeschätzt werden.

2. Ist-Zustand aufnehmen

Im nächsten Schritt wird der aktuelle Ablauf genau dokumentiert. Wer macht was, wann und wie lange dauert jeder Schritt? Welche Materialien und Informationen werden benötigt? Dabei werden Wertstromdiagramme genutzt – einfache Zeichnungen, die den Fluss zeigen.

3. Symbole nutzen

Für die Darstellung gibt es standardisierte Symbole:

  • Rechteck = ein Produktions- oder Arbeitsschritt
  • Pfeil = Materialfluss
  • Strichlinie = Informationsfluss
  • Taktzeit oder Bestände können ebenfalls eingezeichnet werden.

Diese Symbole machen den Prozess auf einen Blick verständlich, auch für Menschen, die nicht täglich in der Produktion arbeiten.

4. Probleme erkennen

Wenn der Ist-Zustand visualisiert ist, lassen sich sofort Schwachstellen erkennen. Zum Beispiel:

  • Lange Wartezeiten zwischen Arbeitsschritten
  • Überbestände in Lagern
  • Unnötige Transporte
  • Engpässe bei Maschinen oder Mitarbeitern

5. Soll-Zustand entwickeln (Wertstromdesign)

Nachdem die Probleme sichtbar sind, wird mit dem sogenannten “Wertstromdesign” ein Soll-Zustand gezeichnet. Dieser zeigt, wie der Prozess idealerweise ablaufen sollte – mit weniger Verschwendung, kürzeren Durchlaufzeiten und klareren Informationswegen.

6. Maßnahmen ableiten und umsetzen (Wertstromplanung)

Abschließend werden in der sogenannten Wertstromplanung konkrete Schritte geplant, um vom Ist- zum Soll-Zustand zu kommen. Dazu gehören z. B. Umorganisation von Arbeitsplätzen, Reduzierung von Lagerbeständen oder die Einführung von digitalen Systemen.

Wichtig: Mit klaren Symbolen und einfachen Diagrammen wird aus einem komplexen Produktionsprozess ein übersichtlicher Wertstrom, den jeder verstehen kann.

Beispiel einer Wertstromanalyse

Um die Theorie greifbarer zu machen, schauen wir uns ein fiktives Beispiel an. Stellen wir uns eine kleine Firma vor, die Schrauben produziert. Die Produktion läuft in mehreren Schritten: Rohmaterial wird bestellt, in der Maschine bearbeitet, verpackt und schließlich an den Kunden verschickt.

Schritt 1: Ist-Zustand aufnehmen

Zuerst wird der Ist-Zustand dokumentiert. Dabei zeigt sich:

  • Das Rohmaterial liegt oft mehrere Tage im Lager, bevor es bearbeitet wird.
  • Die Maschine läuft zwar schnell, aber manchmal fehlt das Personal, um die Teile weiterzuleiten.
  • Informationen über Kundenaufträge kommen verspätet an die Produktion.

Mit einem Wertstromdiagramm werden diese Abläufe sichtbar: Rechtecke für die Arbeitsschritte, Pfeile für Materialfluss und gestrichelte Linien für Informationsfluss. Schon auf einen Blick erkennt man die Engpässe und Verzögerungen.

Schritt 2: Probleme erkennen

Die Analyse zeigt typische Schwachstellen:

  • Lange Wartezeiten zwischen Lager und Maschine
  • Unnötige Transporte von Teilen zwischen Abteilungen
  • Verzögerungen durch fehlende Informationen

Diese Punkte kosten Zeit und Geld, ohne dass sie dem Kunden einen Mehrwert bringen.

Schritt 3: Soll-Zustand entwickeln

Im Soll-Zustand werden die Abläufe optimiert:

  • Rohmaterial wird just-in-time geliefert, sodass Lagerzeiten reduziert werden.
  • Maschinen und Personal sind besser aufeinander abgestimmt.
  • Informationen über Aufträge fließen digital und sofort an die Produktion.

Schritt 4: Maßnahmen umsetzen

Auf Basis der Analyse plant das Unternehmen konkrete Schritte:

  • Einführung eines digitalen Auftragsmanagements
  • Anpassung der Arbeitszeiten und Maschinenbelegung
  • Reduzierung von Zwischenlagern

Digitale Wertstromanalyse & Industrie 4.0

Mit der zunehmenden Digitalisierung in der Industrie hat sich auch die Wertstromanalyse weiterentwickelt. Früher wurden Prozesse meist auf Papier oder Whiteboards festgehalten. Heute nutzen Unternehmen digitale Tools, um Material- und Informationsflüsse schneller und genauer zu erfassen.

Vorteile der digitalen Wertstromanalyse:

  • Echtzeit-Daten: Informationen über Maschinenstatus, Lagerbestände oder Aufträge sind sofort verfügbar.
  • Bessere Zusammenarbeit: Teams an verschiedenen Standorten können gleichzeitig auf das Wertstromdiagramm zugreifen.
  • Simulation und Analyse: Digitale Tools ermöglichen es, verschiedene Szenarien durchzuspielen, bevor Änderungen umgesetzt werden.
  • Schnelle Anpassungen: Änderungen im Prozess können sofort im Diagramm dargestellt werden, ohne dass neue Pläne gezeichnet werden müssen.

Ein Beispiel: Ein Unternehmen erkennt durch die digitale Analyse, dass eine Maschine häufig stillsteht, weil Material verspätet ankommt. Durch automatisierte Bestellungen und digitale Informationsflüsse können diese Pausen minimiert werden. Das spart Zeit, reduziert Kosten und erhöht die Produktionskapazität – alles dank digitaler Wertstromanalyse.

Kennzahlen und Begriffe in der Wertstromanalyse

Damit die Wertstromanalyse wirklich hilfreich ist, arbeiten Unternehmen oft mit einigen wichtigen Kennzahlen und Begriffen. Sie machen Abläufe messbar und zeigen, wo es Verbesserungspotenzial gibt – ganz ohne komplizierten Fachjargon.

  • Flussgrad: 
    • Der Flussgrad beschreibt, wie reibungslos Material oder Informationen durch den Prozess fließen. 
    • Ein hoher Flussgrad bedeutet, dass alles zügig von einem Schritt zum nächsten geht.
    • Ein niedriger Flussgrad zeigt, dass es Staus oder Verzögerungen gibt – ähnlich wie bei einem Stau auf der Straße.
  • Wertstromdesign: Das Wertstromdesign ist die Planung des Soll-Zustands. Hier wird festgelegt, wie der Prozess idealerweise ablaufen sollte. Alle unnötigen Schritte werden entfernt, und die Reihenfolge der Abläufe wird optimiert.
  • Wertstrommanagement: Beim Wertstrommanagement geht es darum, die Prozesse dauerhaft zu steuern und zu verbessern. Es reicht nicht, einmal eine Analyse zu machen. Nur durch kontinuierliche Kontrolle und Anpassung können Unternehmen langfristig effizient bleiben.
  • Wertstrom: Der gesamte Weg eines Produkts oder einer Dienstleistung vom Beginn bis zum Kunden.
  • Wertstromdiagramm: Die grafische Darstellung dieses Weges, oft mit Symbolen für Arbeitsschritte, Material- und Informationsflüsse.

Einfaches Beispiel:

Wenn ein Auto in einer Fabrik hergestellt wird, ist der Wertstrom alles, was passiert, bis das Auto fertig beim Kunden ist – vom Bestellen der Teile über die Montage bis zur Auslieferung. Das Wertstromdiagramm zeigt, wo es Verzögerungen gibt, der Flussgrad zeigt, wie gut alles läuft, und das Wertstromdesign hilft, den Ablauf zu verbessern.

Vorteile der Wertstromanalyse im Lean Management

1. Transparenz über Abläufe

Die Analyse zeigt auf einen Blick, wie Material und Informationen durch das Unternehmen fließen. Dadurch erkennen Teams Engpässe, Verzögerungen oder unnötige Arbeitsschritte – selbst in komplexen Prozessen. So wird der wir der Informationsfluss verbessert und die Transparenz erhöht.

2. Verschwendung reduzieren

Lean Management zielt darauf ab, nur das zu tun, was Wert für den Kunden schafft. Die Wertstromanalyse macht Verschwendung sichtbar.

3. Schnellere Durchlaufzeiten

Indem Prozesse optimiert und Engpässe beseitigt werden, verkürzen sich die Durchlaufzeiten. Produkte oder Dienstleistungen erreichen den Kunden schneller, was die Kundenzufriedenheit erhöht.

4. Bessere Zusammenarbeit

Die Visualisierung des gesamten Wertstroms hilft verschiedenen Abteilungen, gemeinsam an Verbesserungen zu arbeiten. Jeder versteht, wie sein Beitrag den Gesamtprozess beeinflusst. Er Wertstromanalyse kann als Basis für betriebliche Kommunikation und Entscheidungen dienen.

5. Grundlage für kontinuierliche Verbesserung

Die Wertstromanalyse ist nicht nur einmalig nützlich. Sie bildet die Basis für kontinuierliche Verbesserungen – ein Kernprinzip des Lean Managements. Prozesse werden regelmäßig überprüft und Schritt für Schritt optimiert.

6. Erhöhung der Kundenzufriedenheit und Wettbewerbsfähigkeit

Optimierte Prozesse bedeuten, dass Produkte schneller und zuverlässiger geliefert werden und die Qualität steigt. Kunden erhalten genau das, was sie erwarten – pünktlich und in guter Qualität. Gleichzeitig können Unternehmen flexibler auf Veränderungen reagieren und sich besser gegenüber der Konkurrenz behaupten.

Fazit: Wertstromanalysen lohnen sich!

Mit der Wertstromanalyse können Unternehmen nicht nur einzelne Prozesse verbessern, sondern ihr gesamtes Produktions- oder Dienstleistungssystem effizienter gestalten. In Verbindung mit Lean Management sorgt sie für klaren Überblick, weniger Verschwendung, höhere Geschwindigkeit und bessere Zusammenarbeit – genau das, was Lean Management erreichen will.

Ob in klassischen Produktionslinien oder in digitalisierten Prozessen der Industrie 4.0 – die Methode unterstützt Unternehmen dabei, schneller, kosteneffizienter und flexibler zu arbeiten.

Langfristig führt die Wertstromanalyse nicht nur zu geringeren Kosten und kürzeren Durchlaufzeiten, sondern auch zu höherer Kundenzufriedenheit und einer stärkeren Wettbewerbsfähigkeit.

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Verfasst von:

Keara Brosnan – International Marketing Manager @ fabriq